Zielsetzung und Entwicklung des Prüfstandards
Im Rahmen des Nachauftrags der IFTA AG wurde für ReffiSchaf ein Nachhaltigkeits- und Prüfstandard entwickelt, der die Konformität entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachvollziehbar macht und gleichzeitig mehr Transparenz für Verbraucher schafft. Im Unterschied zur klassischen Bio-Zertifizierung liegt der Fokus insbesondere auf einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Verwertung der Tiere sowie auf einer klaren und praxistauglichen Umsetzbarkeit in der Vermarktung. Hierzu wurden Checklisten, Begleitdokumente sowie eine konkrete Handlungsempfehlung für die „Brandenburger Weidezeit“ erarbeitet, die Anforderungen in den Bereichen Erzeugung, Transport, Verarbeitung und Kennzeichnung systematisch zusammenführt.
Praxisumsetzung und Ergebnisse des Probeaudits
Die entwickelten Prüfkriterien wurden im Rahmen eines angekündigten Probeaudits bei der Biomanufaktur Havelland GmbH in Velten getestet. Dabei zeigte sich, dass die Checklisten grundsätzlich gut anwendbar sind und zentrale Prozesse wie Rückverfolgbarkeit, Chargentrennung und Produktkennzeichnung bereits strukturiert umgesetzt werden. Auch interne Freigabeprozesse sowie die Steuerung über Rezepturen funktionieren zuverlässig. Insgesamt bestätigte das Audit die Praxistauglichkeit des Ansatzes, zeigte jedoch auch Herausforderungen auf, insbesondere im Bereich der ganzheitlichen Tierverwertung, die stark von Absatz- und Kampagnenlogiken abhängig ist.
Regulatorischer Rahmen und Einordnung der „Brandenburger Weidezeit“
Parallel zur operativen Entwicklung wurde die neue EU-EmpCo-Richtlinie (2024/825) betrachtet, die ab September 2026 verbindlich gilt und insbesondere Nachhaltigkeitssiegel sowie Umwelt- und Sozialaussagen deutlich stärker reguliert. Zukünftig dürfen solche Siegel nur noch verwendet werden, wenn sie auf transparenten, überprüfbaren Zertifizierungssystemen beruhen und durch unabhängige Dritte kontrolliert werden. Für die „Brandenburger Weidezeit“ ergibt sich daraus eine kritische Einordnung: Regionale und tierwohlbezogene Aussagen in Verbindung mit grafischer Darstellung können unter die Siegelregulierung fallen und erfordern daher eine rechtliche Prüfung sowie gegebenenfalls den Aufbau eines formalisierten Zertifizierungssystems. Insgesamt zeigt sich, dass der entwickelte Standard fachlich tragfähig ist, jedoch künftig eng an die neuen regulatorischen Anforderungen angepasst werden muss.